Bordeaux 2025: Frühe Lese, große Weine – und die Rückkehr der Preisfrage
03.06.2026
Die Bordeaux-Ernte 2025 dürfte als historischer Jahrgang in die Annalen eingehen – nicht nur wegen ihres außergewöhnlichen Vegetationsverlaufs und der historisch frühen Lese, sondern auch aufgrund der herausragenden Qualität vieler Weine sowie der attraktiven Marktbedingungen, die diesen Jahrgang besonders interessant machen.
Während ich diese Zeilen schreibe, kommt mit Château Haut-Bailly (97/98/100) gerade ein weiterer Star aus Pessac-Léognan auf den Markt – zu einem durchaus bemerkenswerten Preis von 88 Euro etwa bei Bacchus Vinothek, der sehr gute Zweitwein Haut Bailly II (92-93/100) sogar zu rund 30 Euro.
Bereits heute Vormittag hat Château Mouton Rothschild als nächster Premier Grand Cru Classé seinen En-Primeur-Preis veröffentlicht. Mit rund 420 Euro bei Lobenberg, Bacchus Vinothek und Crurated liegt dieser zwar über dem Vorjahresniveau (2024: 354 Euro), aber noch unter dem Preis des Jahrgangs 2023 (455 Euro; Preisangaben: Bacchus Vinothek).
Den Wein habe ich mit 98–100/100 Punkten bewertet. Für mich zählt er zu den ganz großen Erfolgen des Jahrgangs 2025. Mit seinem außergewöhnlich hohen Anteil von 98 Prozent Cabernet Sauvignon präsentiert sich dieser Mouton zwar konzentriert und von seinem typisch verführerischen Charme geprägt, zugleich aber auch mit bemerkenswerter Präzision, Frische und Eleganz. Ein großer Mouton, der bereits in seiner Jugend fasziniert und zugleich das Potenzial für eine jahrzehntelange Entwicklung besitzt.
Die ausführlichen Verkostungsnotizen zu beiden Weinen in Deutsch und Englisch finden Abonnenten in der umfangreichen FINE WINE GUIDE DATENBANK.
Doch zurück zu La Mission / Haut-Brion. Als ich Jean-Philippe Delmas, Generaldirektor von Château Haut-Brion und Château La Mission Haut-Brion (Domaine Clarence Dillon S.A.S.), bei einem Exklusivinterview während der Primeurs-Woche auf den Jahrgang ansprach, zog er einen bemerkenswerten Vergleich: In seiner gesamten Karriere habe lediglich 2003 noch früher begonnen.
Für Delmas ist 2025 ein außergewöhnlicher „Frühlingsjahrgang“. Die Mengen seien zwar bereits durch die Bedingungen des Jahres 2024 beeinflusst worden, die eigentliche Qualität sei jedoch im Frühjahr 2025 entstanden. Der anschließende warme und trockene Sommer habe ihn an große Bordeaux-Jahrgänge wie 2005 oder 2010 erinnert. Die Weinberge hätten sich während der gesamten Vegetationsperiode in perfektem Zustand präsentiert – „wie ein französischer Garten“, gesund, ausgeglichen und ohne Stress.
Bemerkenswert ist dabei auch sein Blick auf den Markt. Bereits im Gespräch betonte Delmas, dass Käufer im Rahmen der diesjährigen En-Primeur-Kampagne möglicherweise die seltene Gelegenheit erhalten könnten, einen potenziellen Spitzenjahrgang zu Preisen zu erwerben, die deutlich unter den heute gehandelten Referenzjahrgängen 2022, 2016 oder 2010 liegen.
Die ersten Veröffentlichungen scheinen diese Einschätzung zu stützen. La Mission Haut-Brion wurde 2023 zu rund 275 Euro angeboten. Der nun veröffentlichte Jahrgang 2025 wird aktuell für rund 197 bis 199 Euro pro Flasche zum Beispiel bei Crurated, Lobenberg und Bacchus Vinothek angeboten und liegt damit deutlich unter dem vergleichbaren 2023er.
Haut-Brion 2025 – Der Maßstab in Pessac
Ich habe den 2025er Haut-Brion mit 98-99/100 Punkten bewertet, somit setzt er eine echte Benchmark in Pessac-Léognan. Auch diese Notiz finden Sie in der gut gefüllten Datenbank.
Der kürzlich an den Markt gekommene La Mission Haut-Brion zeigt sich etwas zugänglicher, aber kaum weniger faszinierend. Die Bewertung mit 97/100 Punkten unterstreicht diesen Eindruck.
Noch ist Bordeaux 2025 ein Fassmusterjahrgang. Doch selten war nach den Primeurs-Verkostungen eine derart große Einigkeit unter Erzeugern, Kritikern und Händlern zu spüren. Die Kombination aus außergewöhnlich früher Reife, bemerkenswerter Frische und klassischer Struktur hat Weine hervorgebracht, die vielerorts Erinnerungen an die großen Jahrgänge der vergangenen Jahrzehnte wecken.
Für Sammler und Liebhaber könnte genau darin die eigentliche Geschichte von Bordeaux 2025 liegen: ein Jahrgang mit dem Potenzial für Größe – zu einem Zeitpunkt, an dem die Preise noch nicht die Höhen vergangener Hype-Jahrgänge erreicht haben.
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