Best of Brunello 2021 Reloaded – Die Outperformer: Stars, Klassiker und Newcomer
Giuseppe Lauria, Juli 2026
Nach meinem bereits veröffentlichten großen Bericht über den Brunello-Jahrgang 2021 Ende vergangenen Jahres konnte ich in den vergangenen Wochen im Rahmen meiner Weinreisen sowie weiterer häuslicher Verkostungen zahlreiche zusätzliche Spitzenweine verkosten. Darunter befanden sich einige der größten Ikonen Montalcinos, die aus unterschiedlichen Gründen nicht im Rahmen der offiziellen Benvenuto Brunello präsentiert wurden oder ausschließlich direkt auf den Weingütern verkostet werden konnten. Dazu zählen unter anderem Pieve Santa Restituta (Gaja), Casanova di Neri, Siro Pacenti, Salvioni sowie weitere Spitzenbetriebe. Damit ist meine Best-of-Liste des Brunello-Jahrgangs 2021 nun vollständig und vermittelt ein noch umfassenderes Bild eines Jahrgangs, der zweifellos zu den größten der vergangenen Jahrzehnte zählt.
Pieve Santa Restituta – Zwei Terroirs, zwei große Persönlichkeiten
Besonders spannend waren die separat verkosteten Brunelli von Pieve Santa Restituta, dem Montalcino-Weingut der Familie Gaja. Vor allem der direkte Vergleich der beiden Spitzenweine Rennina und Sugarille verdeutlicht eindrucksvoll den Einfluss der jeweiligen Herkunft.
Während der Rennina aus drei unmittelbar an das Weingut angrenzenden Weinbergen in Tavernelle stammt und sich offener sowie eleganter präsentiert, handelt es sich beim Sugarille um einen echten Single Vineyard auf dunklen, galestroreichen Böden.
Diese verleihen dem Wein eine markante Mineralität mit Anklängen von Schiefer und Ton, dunkler Frucht sowie besonders feinen, seidigen Tanninen.
Zwei große Brunelli mit völlig unterschiedlichem Charakter – und ein Paradebeispiel für die enorme Ausdruckskraft der unterschiedlichen Terroirs Montalcinos.
Der direkte Vergleich der beiden Spitzenweine Rennina und Sugarille verdeutlicht eindrucksvoll den Einfluss der jeweiligen Herkunft.
Siro Pacenti – Perfektionismus auf höchstem Niveau
Ebenfalls nachverkostet wurde die komplette 2021er-Kollektion von Siro Pacenti, einem Weingut, das seit vielen Jahren zur absoluten Spitze Montalcinos gehört und dessen Entwicklung ich seit Langem intensiv verfolge. Obwohl Siro Pacenti schon seit Jahren nicht mehr am Benvenuto Brunello teilnimmt, lohnt sich ein individueller Besuch umso mehr. Das vergleichsweise kleine Weingut liegt im Südosten von Montalcino und bietet einen traumhaften Blick auf die historische Stadt.
Siro Pacentis Brunelli zählen seit Jahrzehnten zu den langlebigsten der Region.
Bereits beim Rundgang durch den Keller wird deutlich, mit welchem kompromisslosen Qualitätsanspruch hier gearbeitet wird. Neben einer modernen optischen Sortieranlage fallen zahlreiche weitere Hightech-Gerätschaften auf. Giancarlo Pacenti gilt als Perfektionist, der modernste Kellertechnik mit kompromissloser Selektion verbindet.
Seine Brunelli zählen seit Jahrzehnten zu den langlebigsten der Region. Gerade der legendäre Vecchie Vigne benötigte in der Vergangenheit häufig viele Jahre, bis er sein erstes großes Trinkfenster öffnete. Selbst Jahrgänge wie 2010 oder 2013 beginnen erst heute, ihre ganze Größe zu entfalten.
Die jüngsten Jahrgänge zeigen jedoch einen deutlich feineren Tanninschliff und lassen erkennen, dass sie trotz ihres enormen Reifepotenzials früher zugänglich sein werden.
Die Kollektion 2021 präsentierte sich auf durchweg herausragendem Niveau. Vom klassischen Brunello bis zum ikonischen Vecchie Vigne verkosteten wir außergewöhnliche Weine, die Konzentration, Vielschichtigkeit und Tiefe mit bemerkenswerter Eleganz, Präzision und Finesse verbinden. Die ausführlichen Verkostungsnotizen finden Sie wie gewohnt in der Datenbank des Fine Wine Guide.
Casanova di Neri – Weltklasseweine und eine Investition in die Zukunft
Ein weiterer Höhepunkt meiner jüngsten Toskana-Reise war der erneute Besuch bei Casanova di Neri, einem der großen Aushängeschilder Montalcinos. Im Rahmen einer exklusiven Verkostung hatten wir die Gelegenheit, die komplette Spitze der aktuellen Kollektion zu probieren. Besonders beeindruckten der Brunello di Montalcino 2021, der Tenuta Nuova 2021, der spektakuläre Cerretalto 2019 sowie der Giovanni Neri 2021 – eine Spitzencuvée, die vor einigen Jahren als Hommage an den Gründer des Weinguts ins Leben gerufen wurde und inzwischen im vierten Jahrgang erscheint.
Der Brunello di Montalcino Giovanni Neri 2021 zählt für mich zu den größten Weinen des gesamten Jahrgangs. Von ihm werden lediglich 8.700 Flaschen produziert, der Preis liegt bei rund 250 Euro. Seine Besonderheit liegt unter anderem in der Vinifikation mit 20 Prozent Ganztrauben (Whole Cluster) – ein Ansatz, der ihm zusätzliche Frische, aromatische Komplexität und enorme Spannung verleiht. Das Ergebnis ist ein unfassbar dicht gewebter, engmaschiger und zugleich hochpräziser Brunello, der mit einer kaskadenartigen Vielschichtigkeit, brillanter Mineralität und außergewöhnlicher Finesse begeistert. Für mich zählt er zu den absoluten Referenzweinen des Jahrgangs.
Nicht weniger beeindruckend präsentiert sich der Cerretalto 2019, den ich mit sensationellen 100/100 Punkten bewertet habe. (ca. 350 Euro, rund 9.600 Flaschen). Er stammt aus der ältesten Einzellage des Weinguts am äußersten östlichen Rand Montalcinos auf eisen- und manganreichen Böden. Bereits mit dem Jahrgang 1981 wurde dieser Wein erstmals separat vinifiziert. Dieses außergewöhnliche Terroir verleiht ihm enorme Tiefe, faszinierende Mineralität, seidige Tannine und eine scheinbar endlose Länge. Auch dieser Brunello zählt für mich zu den ganz großen Weinen Montalcinos.
Die ausführlichen Verkostungsnotizen finden Sie in der Datenbank des Fine Wine Guide.
Bei einem exklusiven Rundgang mit Giannlorenzo Neri sowie einem Gespräch mit seinem Vater Giacomo Neri wurde deutlich, dass es dabei keineswegs darum geht, größere Mengen zu produzieren.
Mindestens ebenso spannend war der Blick hinter die Kulissen. Casanova di Neri investiert derzeit massiv in die Zukunft und erweitert den Keller in großem Umfang.
Bei einem exklusiven Rundgang mit Gianlorenzo Neri sowie einem Gespräch mit seinem Vater Giacomo Neri wurde deutlich, dass es dabei keineswegs darum geht, größere Mengen zu produzieren. Vielmehr soll die neue Kellerei zusätzliche Möglichkeiten schaffen, jede einzelne Parzelle noch präziser und individueller auszubauen. Mehr Platz bedeutet hier vor allem mehr Flexibilität, kürzere Wege und die Möglichkeit, die kompromisslose Qualitätsphilosophie des Hauses weiter zu perfektionieren.
Besonders erwähnenswert sind neben den großen Brunelli auch die beiden verkosteten Rosso di Montalcino. Wer einmal erleben möchte, welches Niveau diese Herkunft erreichen kann, sollte unbedingt die Rosso von Casanova di Neri probieren. Bereits der reguläre Rosso di Montalcino 2024 überzeugt trotz des anspruchsvollen Jahrgangs mit bemerkenswerter Frische, Präzision und Tiefe.
Noch beeindruckender ist jedoch der Rosso di Montalcino Giovanni Neri. Anders als beim klassischen Rosso werden hier 10 Prozent Ganztrauben eingesetzt. Zudem erfolgt der Ausbau im 500-Liter-Tonneau, wodurch der Wein nochmals an Komplexität, Struktur und Persistenz gewinnt. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlich tiefgründiger Rosso, der eindrucksvoll unter Beweis stellt, warum die Kategorie Rosso di Montalcino weit mehr sein kann als nur der „kleine Bruder“ des Brunello. Für mich zählt er zu den besten Rosso di Montalcino, die derzeit erhältlich sind.
Ein ausführliches Exklusiv-Interview mit Gianlorenzo Neri finden Abonnenten bereits jetzt im Fine Wine Guide. Darin erläutert er die Hintergründe der Kellererweiterung, die Philosophie des Hauses sowie die Chancen, die der Neubau für die weitere qualitative Entwicklung des Weinguts bietet.
Ganz besonders freue ich mich darüber hinaus auf das kommende Rheingau Gourmet Festival, das im nächsten Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Es ist für mich eine große Freude und zugleich eine besondere Ehre, den exklusiven Sterne-Lunch mit den Weinen von Casanova di Neri moderieren zu dürfen. Die Gäste dürfen sich auf eine außergewöhnliche Weinreise mit einigen der größten Brunelli Montalcinos und einem der bedeutendsten Erzeuger der Region freuen.
Alle Details zur Veranstaltung finden Sie hier.
Die Outperformer: Stars, Klassiker und Newcomer
Der Brunello-Jahrgang 2021 begeistert nicht nur durch seine außergewöhnliche Qualität an der Spitze, sondern auch durch eine beeindruckende Breite exzellenter Kollektionen. Neben den etablierten Ikonen sorgen zahlreiche Aufsteiger und Newcomer dafür, dass die Appellation heute so spannend ist wie selten zuvor.
Zu den herausragenden Kollektionen zählt in diesem Jahr ohne Zweifel jene von Salicutti. Besonders beeindruckten Piaggione, Sorgente sowie die grandiose Riserva Teatro 2020, die eindrucksvoll das enorme Potenzial dieses Ausnahmebetriebs unter Beweis stellt.
Ganz oben mit dabei ist erneut Argiano, sowohl mit dem exzellenten Brunello Annata als auch mit dem bemerkenswerten Einzellagenwein Vigna del Suolo, der sich endgültig in der Spitzengruppe der Appellation etabliert hat.
Zu meinen persönlichen Favoriten zählt seit vielen Jahren Fuligni, dessen unverwechselbar finessenreicher Stil regelmäßig zu den schönsten Interpretationen des Brunello gehört. Ebenso bestätigten die Weine von Salvioni eindrucksvoll ihren legendären Ruf. Das kleine Familienweingut, das einst als Garagenweingut galt und heute ähnlich wie Soldera Kultstatus genießt, bleibt eine der wichtigsten Referenzen für klassisch geprägten Brunello.
Ausgezeichnet präsentierten sich außerdem die großen Klassiker der Region. Canalicchio di Sopra überzeugte mit einem herausragenden La Casaccia sowie einer ebenso brillanten Riserva. Zur absoluten Weltklasse zählt erneut die spektakuläre Riserva von Poggio di Sotto, die eindrucksvoll unterstreicht, warum dieses Weingut seit Jahrzehnten zu den großen Referenzen Montalcinos gehört. Ebenso gehören Talenti und Le Potazzine weiterhin zur Spitze der Appellation und stehen für elegante, terroirgeprägte Brunelli mit großem Reifepotenzial.
All diese Erzeuger gehören zu den großen Klassikern Montalcinos und liefern Weine, die nicht nur heute begeistern, sondern zugleich ideale Kandidaten für eine langfristige Reifung im Keller sind.
Zu den eindrucksvollsten Aufsteigern der vergangenen Jahre zählt Giuseppe Gorelli, der erneut einen hervorragenden Brunello Annata sowie eine ebenso überzeugende Riserva auf die Flasche gebracht hat. Längst in der Spitzengruppe angekommen ist auch Giodo von Carlo Ferrini. Erstmals wurde dort mit Prétto ein zweiter Brunello vorgestellt, der bewusst früher zugänglich ist und ein breiteres Publikum ansprechen soll. Wie mir Bianca Ferrini vor Ort erklärte, positioniert sich Prétto mit einem Preis von rund 70 bis 80 Euro bewusst unterhalb des Giodo, ohne dabei qualitative Kompromisse einzugehen.
Seit einigen Jahren gehören auch die Weine von Corte Pavone unter der Leitung von Hajo Loacker zu den spannendsten Entwicklungen der Appellation. Besonders beeindruckend präsentierten sich erneut die individuellen Cru-Weine Fior di Meliloto und Fior del Vento. Auch die kürzlich verkosteten Riserva 2020 verbinden auf beeindruckende Weise Charme, Tiefe, Ausdruck und einen glasklaren Herkunftscharakter.
Ebenso überzeugend waren klassische Häuser wie Ciacci Piccolomini d’Aragona mit dem ausgezeichneten Pianrosso, Capanna und Lisini. Wie bereits im Vorjahr gefielen mir auch die Weine von Fanti, allen voran der Vallocchio, sowie Mastrojanni, wo die junge Önologin Giulia Härri äußerst elegante, präzise konturierte und duftige Brunelli vinifiziert.
Ein besonders attraktives Preis-Genuss-Verhältnis bieten weiterhin Col d’Orcia, Caparzo, Banfi und Il Poggione, deren Brunelli seit Jahren zu den verlässlichsten Empfehlungen der Region zählen.
Positiv überrascht haben mich darüber hinaus Castello Tricerchi sowie mehrere kleinere Betriebe, die eindrucksvoll zeigen, wie hoch die qualitative Dichte der Appellation inzwischen geworden ist. Der Brunello-Jahrgang 2021 bestätigt eindrucksvoll, dass Montalcino heute mehr denn je sowohl von seinen legendären Klassikern als auch von einer neuen Generation ambitionierter Spitzenwinzer lebt. Kaum ein Jahrgang der vergangenen Jahrzehnte verbindet Herkunft, Eleganz und Langlebigkeit auf einem derart hohen Niveau.