Der 2021er Brunello reiht sich unter die besonders gelungenen Jahrgänge in Montalcino ein. Ein klassisches Jahr mit großem Potenzial, das den Charakter des Sangiovese (Grosso) in seiner eleganten, spannungsvollen und duftigen Ausprägung zum Ausdruck bringt. Ein Paradigmenwechsel: Weniger Kraft, mehr Finesse. Foto: Shelby Knick

Das idyllische Montalcino thront auf rund 564 Metern Höhe über der UNESCO-geschützten Landschaft des Val d’Orcia und steht für Vielfalt: Unterschiedliche Höhenlagen, Expositionen und Bodenstrukturen prägen ein breites stilistisches Spektrum. Foto: Consorzio Brunello di Montalcino

Brunello di Montalcino 2021 – Präzision, Spannung und klassischer Charakter

Giuseppe Lauria, Dezember 2025

Der Brunello-Jahrgang 2021 reiht sich unter die besonders gelungenen Jahrgänge in Montalcino ein. Er verbindet klassische Stilistik mit bemerkenswerter Präzision, Frische und Klarheit und bringt den Charakter des Sangiovese (Grosso) in seiner transparenten, spannungsvollen und duftigen Ausprägung eindrucksvoll zum Ausdruck.

Klimatisch verlief das Jahr insgesamt ausgewogen. Ein vergleichsweise kühler Frühling, geprägt von einem markanten Frostereignis am 8. April, verzögerte den Vegetationsbeginn leicht. Es folgte ein warmer, jedoch nur selten extremer und insgesamt trockener Sommer. Entlastende Niederschläge Ende Juli sowie erneut Ende August unterstützten die Reben und förderten eine gleichmäßige Reife. Der Frost traf vor allem die tiefer gelegenen Lagen und führte mancherorts zu Ernteeinbußen von bis zu 30 %. Die teilweise reduzierten Erträge wirkten sich zusätzlich positiv auf die Qualität aus.

Besonders prägend war die ausgeprägte Tag-Nacht-Amplitude während der Reifephase, die eine langsame und differenzierte Aromenausbildung begünstigte und zugleich die rebsortentypische Frische sowie Säurestruktur bewahrte. Die Lese erfolgte überwiegend unter idealen Bedingungen, mit gesunden Trauben und ausgezeichneter phenolischer Reife.

Im Glas zeigen sich die Brunello 2021 klar, eher linear ausgerichtet, fokussiert und tiefgründig. Aromatisch dominieren wie so oft bei Sangiovese rote Kirsche, Sauerkirsche und Himbeere, ergänzt durch florale und würzige Noten, mediterrane Kräuter, feine Gewürze und eine kühle mineralische Komponente. Die Frucht wirkt präzise und transparent, selten überreif oder geliert. 

Hier und da gibt es auch Weine, die noch etwas stark vom Holz maskiert beziehungsweise überextrahiert wirkten. Aber die Tendenz ist Montalcino ist ganz klar: Die Weine sind wieder herkunftsbetonter und über die Jahre eleganter und präziser geworden. 

Die Verkostung des Benvenuto Brunello findet traditionell in Montalcinos Klostermuseum Sant‘Agostino statt und ist dem internationalen Fachpublikum vorbehalten.

Stilistisch steht der Brunello-Jahrgang 2021 näher an “klassischen” Jahrgängen, die auf Eleganz, Balance und Langlebigkeit setzen, als an kraftbetonten oder opulenten Ausprägungen. Im Vergleich zu 2020 wirkt er weniger reiffruchtig, dafür fokussierter, straffer und engmaschiger mit Frische, sortentypischen Sangiovese-Aromen und ausgeprägter Vertikalität. 

Gerade diese Spannung und Präzision lassen ein hohes Reifepotenzial erwarten. Bernardino Sani, CEO und Önologe von Argiano, bestätigt diese Einschätzung: „Ich stimme zu – mich erinnert der Jahrgang an 2013, aber auch an eine Mischung aus der Kraft des 2019ers und der großen Finesse des 2016ers.“ 

Fast unisono spricht man von einem “klassischen Jahr”, allerdings der Moderne, der nicht mehr nach den Maßstäben der 1970er- und 1980er-Jahre gesehen werden darf. Leonardo Berti, Chef-Önologe von Poggio di Sotto, pflichtet bei: „2021 war eine klassische Annata – oder besser: eine neue Klassik. Ohne extreme Temperaturen, mit gut verteilten Niederschlägen, aber mit einer um 15 bis 20 Tage früheren Lese als in den 1970er- und 1980er-Jahren.“

Francesco Ripaccioli von Canalicchio di Sopra, der im Norden der Appellation mit kühleren Einflüssen und mineralreichen Böden ansässig ist, fasst es so zusammen: „Ein lebendiger, spannungsvoller Wein – sonnig, vertikal und zugleich rund –, der mit Energie und Tiefe überrascht und den Terroirs Raum gibt, ihren eigenen Charakter klar zum Ausdruck zu bringen.“

Paolo Bianchini, Eigentümer von Ciacci Piccolomini d’Aragona, sieht Parallelen zum seinerzeit viel gefeierten 1997er-Jahrgang. Unter italienischen Fachkollegen wird 2021 nicht selten in eine Reihe mit den kühleren Jahren wie 2018, 2014 und vereinzelt auch 2008 gestellt. 

Für mich hat 2021 aber deutlich mehr Schmelz und Tiefe, auch die Tanninstruktur ist hochwertiger und feinporiger, gerade gegenüber dem doch sehr schlanken und krokanten 2018er-Jahrgang und dem weniger präzisen 2014er. Ich sehe 2021 insgesamt deutlich darüber. 

Am Gaumen präsentiert sich der Jahrgang vertikal und spannungsvoll mit guter Dichte und Struktur, aber nicht überbordender Konzentration. Die Tannine sind präsent, feinkörnig und präzise eingebunden, während eine lebendige, gut dosierte Säure die Struktur stützt und der sorgfältig herausgearbeiteten Frucht Frische und Kontur verleiht. Trotz ihrer Struktur dürften viele Brunello 2021 bereits in jungen Jahren  zugänglich sein, ohne dabei an Tiefe oder Ernsthaftigkeit zu verlieren.

Fazit: Brunello di Montalcino 2021 erweist sich als überraschend vertikaler, spannungsreicher Jahrgang mit feiner, klar konturierter Rasse. Die Frucht präsentiert sich à point gereift, getragen von einer präzisen, eher kühlen Duftigkeit und der typischen Würze des Sangiovese. Trinkfluss und innere Spannung verbinden sich überzeugend mit Tiefe und struktureller Substanz. 

Viele Weine dürften bereits in wenigen Jahren in ihre erste Trinkreife eintreten, ohne dabei an Entwicklungspotenzial einzubüßen. Der Jahrgang spricht gleichermaßen Liebhaber klassischer Brunello-Stile wie anspruchsvolle Sammler an.

Die Erzeuger in Montalcino ist es gelungen, strukturierte Weine zu vinifizieren, deren Säureprofil präsent, jedoch nie dominant wirkt. Sie ist präzise dosiert und hält Körper, Extrakt und Konzentration in bemerkenswerter Balance. Im Keller haben die Winzer der Versuchung widerstanden, die Weine zu stark zu extrahieren – wie es in den 2000er-Jahren häufig üblich war. Ein erfreulicher Paradigmenwechsel, der zeigt, dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass hier weniger mehr ist.

Es sind Weine, die zwei wichtige Marktbedürfnisse erfüllen: zum einen sprechen sie ein breites Publikum an – nicht zuletzt den nach wie vor wichtigsten amerikanischen Markt, der eher die Intensität und Kraft sucht. Und zugleich auch die eher klassisch orientierten Puristen, die terroirnähere Interpretationen bevorzugen. Aus dieser Perspektive zeigt der Brunello eine bemerkenswerte, kontinuierliche Evolution. 

Die umfangreiche Arbeit, die im Rahmen von „Benvenuto Brunello“ geleistet wurde, trägt heute klare Früchte. 

Der neue Präsident des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino ist Giacomo Bartolommei, der jüngste Präsident in der Geschichte des Konsortiums, der das Amt im Juni 2025 mit 33 Jahren übernahm.

Die Benvenuto Brunello 2025 bot einen konzentrierten, differenzierten Einblick in die aktuellen Jahrgänge aus Montalcino und bestätigte einmal mehr die stilistische Vielfalt der Appellation.

Herausragende Basis-Brunello 2021 (Annata)

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Überzeugende Lagen- und Selektionsweine 2021

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