La Grande Année, bis 1976 als Bollinger Vintage vermarktet, ist der verheißungsvolle Name für einen Champagner, der ausschließlich in den besten Jahrgängen produziert wird und sich stets von seiner ausdrucksstarken, zugleich eleganten Seite zeigt.
Champagne Bollinger lanciert La Grande Année 2018
Giuseppe Lauria, März 2026
Mit der Lancierung des La Grande Année 2018 kehrt Champagne Bollinger nach drei Jahren Pause mit einem Jahrgang zurück, der das Potenzial hat, Geschichte zu schreiben.
Nicht jedes Jahr ist ein großes Jahr in der Champagne. Und nicht jedes Jahr wird zu La Grande Année. Die Prestige-Cuvée von Champagne Bollinger erscheint ausschließlich in Ausnahmejahren. 2015 war der letzte Release, nun wurde vor Kurzem der aktuelle Jahrgang 2018 lanciert.
2018 war in der Champagne ein großes Jahr: Ein langer, trockener Sommer sorgte für optimale Traubenreife und brachte Weine von Eleganz und Finesse hervor, getragen von reifer Frucht und lebendiger Frische. „Die Winzer liefen 2018 mit einem breiten Lächeln herum“, war bei der Präsentation zu hören. Der Jahrgang könnte den Auftakt zu einer Trilogie bilden, denn auch 2019 und 2020 versprechen ein ähnlich hohes Niveau. Eine solche Serie aufeinanderfolgender Spitzenjahrgänge gab es in der Champagne zuletzt von 1988 bis 1990.
Im Caféhaus Siesmayer in Frankfurt wurde ein vorzügliches Eggs Benedict serviert, das in Kombination mit den verschiedenen Champagnern von Bollinger besonders überzeugte.
La Grande Année 2018: Finesse aus einem warmen Jahrgang
Der Launch des La Grande Année fiel mit der Eröffnung des neuen Bollinger-Fasskellers zusammen. Das bis heute in Familienbesitz befindliche Champagnerhaus verfügt nun über einen der größten Keller für Fassreifung in der Champagne. Das berichtet Moritz Lüke, Geschäftsführer von Grand Cru Select, den ich während der ProWein interviewte (siehe Interview auf Instagram).
Der La Grande Année 2018 ist zudem der letzte Jahrgang, den Gilles Descôtes als Kellermeister geprägt hat. Während der Wein sieben Jahre auf der Hefe reifte, entstand parallel der neue Fasskeller. Sowohl der La Grande Année 2018 als auch der La Grande Année Rosé zeigen für einen warmen Jahrgang eine verblüffende Finesse und ein extrem feines Mousseux – eine gelungene Liaison aus Konzentration, Komplexität und Feinheit.
Für mich wirkt der 2018er deutlich feiner als der 2015er, der in seiner Jugend mehr „Speck auf den Rippen“ zeigte und deutlich gelbfruchtiger wirkte. Inzwischen soll dieser jedoch spürbar an Spannung gewonnen haben.
Trotz des warmen Jahrgangs wirkt der 2018er feiner und weniger opulent als der 2015er, dafür präziser, kühler und eleganter.
Stil des Hauses
Mit Sitz in Aÿ, im Grande Vallée de la Marne – einer zu 100 % klassifizierten Grand-Cru-Gemeinde – war es stets der Pinot Noir, der die Champagner des Hauses dominierte. Er macht rund 60 % der Rebfläche aus.
Das wesentliche Wiedererkennungsmerkmal des sogenannten „goût Bollinger“ ist jedoch der meisterhafte Holzeinsatz. Über 3.000 Eichenholzfässer, eine Mischung aus gebrauchten 228-Liter-Barriques und 405-Liter-Pipes, sorgen für die charakteristische Komplexität und Struktur der Champagner und tragen maßgeblich zu ihrem enormen Lagerpotenzial bei.
Alle Grundweine wurden im Holz ausgebaut, gefolgt von rund sieben Jahren „sur lattes“ unter Naturkork. Die Dosage liegt bei beiden Champagnern bei 7 Gramm.
Abhängig von der Cuvée werden die Grundweine darin nicht nur teilweise oder vollständig ausgebaut, sondern auch vergoren. Einige der Fässer sind bereits über 100 Jahre alt, und ein hauseigener Küfer kümmert sich um die Pflege dieses außergewöhnlichen Bestands.
Eigener Wald, eigene Küferei
Das Jahr 2015 markiert für Bollinger einen wichtigen Meilenstein. Zur Familiengeschichte gehört seit jeher ein eigener Familienwald in Cuis, der sich über rund 180 Hektar erstreckt. Seit 2015 liefert dieser Wald das Holz, aus dem Bollinger seine eigenen Eichenfässer fertigt – Fässer, in denen künftig einige der großen Jahrgänge reifen werden.
Bollinger weist mit Stolz darauf hin, eines der letzten Champagnerhäuser mit eigener Küferei zu sein – ein echtes Stück Handwerkskunst. Küfermeister Gaël Chaunut pflegt rund 4.000 Fässer pro Jahr, und seit 2015 kommen kontinuierlich neue Fässer aus dem Holz des Familienwaldes hinzu.
Chefredakteur und Herausgeber Giuseppe Lauria nach Interview und Verkostung auf der ProWein mit Moritz Lüke, Geschäftsführer von Grand Cru Select, dem Importeur und Vertriebspartner von Bollinger in Deutschland.
La Grande Année – nur in den besten Jahren
La Grande Année, bis 1976 als Bollinger Vintage vermarktet, ist der verheißungsvolle Name für einen Champagner, der ausschließlich in den besten Jahrgängen produziert wird und sich stets von seiner ausdrucksstarken, zugleich eleganten Seite zeigt.
Die Erstgärung findet vollständig im Holzfass statt. Anschließend reift der Champagner mindestens sechs Jahre auf der Hefe – doppelt so lange, wie es die Appellation vorschreibt. Vor dem Dégorgement wird er von Hand gerüttelt, ein bis heute bei den Prestige-Cuvées beibehaltenes Qualitätsmerkmal des Hauses.
Neben dem aktuellen Jahrgang hatte ich auch Gelegenheit, einige der raren Top-Selektionen zu verkosten - wie etwa den super raren La Cote aux Enfants (2015): Ein 100 % Pinot Noir aus den besten Grand-Cru-Lagen des Hauses sowie den 2020er PN VZ aus der Pinot-Noir-Serie von Bollinger. Er basiert auf dem Grand Cru Verzenay in der Montagne de Reims. Ziel ist es, einen Pinot-Noir-Signature-Champagner zu kreieren, der sich den einzelnen Terroirs verschrieben hat. Die letzten beiden Buchstaben stehen für die exakte Herkunft: In diesem Fall für Pinot Noir aus dem Cru Verzenay.