Steil, spektakulär und charaktervoll: Die Mosel (hier die Saarschleife bei Wiltingen) und ihre einzigartigen Weinlagen bringen Rieslinge mit unverwechselbarem Herkunftscharakter hervor. Bild:Christopher Arnoldi
Mosel 2025: Deutlich besser als im Vorjahr – einzigartige Steillagen, schiefergeprägte Rieslinge
Giuseppe Lauria und Silvio Nitsche, Oktober 2026
Bei der von mir sehr geschätzten Mosel mit ihrem einzigartigen Schatz an steilsten und schwindelerregenden, schiefergeprägten Weinbergen, die einen enormen Arbeitseinsatz und viel Leidenschaft erfordern, ist der Jahrgang 2025 glücklicherweise deutlich besser ausgefallen als im Vorjahr – auch wenn der Anfang September einsetzende Regen die Lese erschwerte.
“Bis Ende August sah es bei uns wirklich sehr gut aus – tolles Wetter und gute Bedingungen draußen”, erzählt mir Thomas Haag von Schloss Lieser. “Dann kam innerhalb kurzer Zeit sehr viel Regen, sodass wir relativ früh mit der Lese beginnen mussten. Entscheidend war in diesem Jahr für uns vor allem eine extrem konsequente Selektion. Wir haben nur die besten Partien und Trauben geerntet und dabei sehr rigoros gearbeitet, was uns am Ende auch rund 40% weniger Ertrag gekostet hat.” So präsentiert sich die Region insgesamt im Vergleich zu Rheinhessen, der Nahe sowie den Spitzenbetrieben aus Pfalz und Rheingau auch 2025 etwas heterogener und in der Spitze weniger geschlossen. Doch die besten Weine zeigen eindrucksvoll, warum die Mosel als Inbegriff finessenreicher, herkunftsbetonter Rieslinge gilt. Das gilt insbesondere auch für die frucht- und edelsüßen Rieslinge, die hier regelmäßig Weltklasseformat erreichen.
Die Spitze der Mosel: Präzision, Finesse und Herkunft
Am überzeugendsten zeigten sich die Kollektionen von Clemens Busch, Van Volxem, Schloss Lieser, dicht gefolgt von Fritz Haag und Maximin Grünhaus.
Bei Clemens Busch bestätigen die Marienburger Falkenlay und Rothenpfad (je 96/100) die herausragende Klasse der Kollektion. Die Falkenlay zeigt sich expressiv, fokussiert, schiefermineralisch und dunkelkräuterwürzig, mit enormem Herkunftscharakter und messerscharfer Kontur. Der Rothenpfad ist noch druckvoller und feuersteiniger, engmaschig gewoben und salzig-mineralisch – ein echter Cool-Climate-Riesling mit fast schon an Chablis Grand Cru erinnernder Kühle und Rauchigkeit.
Van Volxem überzeugt mit einem ausgezeichneten Scharzhofberg Pergentsknopp (97/100) sowie seinem Pendant aus dem Scharzhofberg (96/100). Beide zeigen die typische, hellstrahlende weiße Frucht, expressiv-minzige, ätherische Noten und eine Präzision wie aus einem Guss, die mich in ihrer vollendeten Form bisweilen an Michelangelos Werke in Florenz erinnert. Ebenfalls tiefgründig und elegant präsentiert sich der Versteigerungs-GG aus dem Schonfels, den ich separat verkostet habe. Auch weitere GGs wie Altenberg und Volz zeigen mit kräuterwürzigen, ätherischen und erdig-mineralischen Noten eindrucksvoll ihre Herkunft vom grauen Devonschiefer mit Anteilen groben vulkanischen Rhyoliths. Die Detailreichen Notizen finden Sie in der gut gefüllten Datenbank!
Auch die verkosteten frucht- und edelsüßen Kreszenzen überzeugten, insbesondere der starke Versteigerungskabinett aus dem Scharzhofberg, die Spätlese aus dem Bockstein sowie die beiden köstlichen, filigranen Auslesen aus dem Kanzemer Altenberg und dem Wiltinger Gottesfuß.
Roman Niewodniczanski steht mit Van Volxem für einen modernen Moselstil, der Herkunft, Präzision und Finesse eindrucksvoll verbindet. Bild: Van Volxem
Spektakuläre Steillagen und schmale Terrassen prägen die einzigartige Weinlandschaft der Terrassenmosel. Bild: Peter Bender
Ebenfalls auf gewohnt hohem Niveau zeigen sich die Weine von Thomas Haag von Schloss Lieser. Hier ragt erneut der Niederberg Helden (96/100) heraus. Seine druckvolle Spontiwürze ist präsent, zugleich wirkt der Wein weniger reduktiv als gewohnt. Der Duft zeigt sich komplex und regelrecht mystisch, geprägt von nassem Schiefergestein und Kräuterwürze; am Gaumen kommt prägnante Schiefermineralität hinzu. Auch die Wehlener Sonnenuhr überzeugt mit delikater Schiefernote und feinwürzig unterlegter Frucht, während die Juffer-Sonnenuhr, das warme Herzstück der Brauneberger Juffer, deutlich schmelziger und kraftvoller ausfällt. Gerade diese Vielfalt macht die Mosel so spannend: Von Lage zu Lage, mitunter sogar von Parzelle zu Parzelle, präsentieren sich die Rieslinge unterschiedlich und spiegeln ihre jeweilige Herkunft auf ganz eigene Weise wider. Dazu betören die beiden Versteigerungsweine, der 2025er Domprobst Kabinett und die 2025er Doctor Spätlese.
Auf sehr gutem Niveau bewegen sich auch die Weine von Maximin Grünhaus mit seinen schönen Ruwer-Finessenstücken (94–95/100), Peter Lauer mit seinen territorialen und charaktervollen Rieslingen (94–95/100) sowie die meist tänzelnden und etwas charmanter ausfallenden Rieslinge von Fritz Haag. Hier ragt insbesondere der Brauneberger Juffer (95+/100) heraus.
Ebenfalls auf sehr gutem Niveau präsentieren sich die Rieslinge von Forstmeister Geltz-Zilliken, allen voran die Saarburger Rausch (95/100).
Bei Geheimrat J. Wegeler überzeugt der Bernkasteler Graben (95/100).
Spannende Weine abseits der ersten Reihe
Besonders hervorzuheben sind auch die spannenden, sehr klassisch ausgebauten Weine von Dr. Hermann. Insbesondere die Lössnicher Försterlay (94/100) und das Erdener Treppchen (95/100) zeigen, wie eindrucksvoll dieser traditionelle Moselstil interpretiert werden kann. Das war einer der positiven Überraschungen der Mosel-GG-Verkostung.
Auch Knebel überzeugt mit dem Winninger Röttgen (94–95/100, Fassprobe), der in seiner jetzigen Phase noch etwas unfertig wirkt, aber bereits deutliches Potenzial erkennen lässt und sich mit weiterer Reife vielversprechend entwickeln dürfte.
Dr. Loosen präsentiert eine ganze Phalanx an Lagen, insgesamt elf, von denen besonders das Treppchen brilliert. Viele Weine zeigen sich allerdings sehr stark auf der weißfruchtigen Seite, wobei ihnen bisweilen etwas die Trennschärfe fehlt. Umso überzeugender sind die Weine aus Erdener Treppchen, Graacher Himmelreich und Wehlener Sonnenuhr (je 95/100), die ihre jeweilige Herkunft deutlich präziser herausarbeiten und dadurch wesentlich mehr Profil und Spannung zeigen.
Insgesamt ist die Mosel 2025 ein gutes, deutlich verbessertes Jahr, allerdings kein herausragender Jahrgang. Die besten Weine zeigen jedoch eindrucksvoll, welches Potenzial in den großen Steillagen steckt, insbesondere auch bei den frucht- und edelsüßen Ballerinen, die hier wie kaum anderswo gelingen. Mitverkostet an der Mosel hat auch der renommierte Top-Sommelier Silvio Nitsche.