Niederhäuser Hermannshöhle – eine der legendärsten Grand-Cru-Lagen der Nahe. Das Weingut Dönnhoff produziert hier Rieslinge mit Tiefe, Präzision und außergewöhnlicher Langlebigkeit.
Nahe: Eine außergewöhnliche Dichte an Spitzenweinen - Ein Riesling mit 99-100 Punkten
von Giuseppe Lauria, September 2026
Die Nahe gehört für mich zu den großen Gewinnern des Jahrgangs 2025. Das ist hier inzwischen seit fast 20 Jahren regelmäßig der Fall – und auch in diesem Jahr zeigt sich wieder, wie konstant diese kleine und feine Weinregion auf höchstem Niveau arbeitet. Die Nahe gilt insgesamt nach wie vor als Gewinnerin des Klimawandels – eine Position, die längst nicht mehr für alle deutschen Weinregionen gleichermaßen gilt. Während anderswo viele Betriebe 2025 noch vor dem großen Regen die Ernte einfuhren, konnten einige Nahe-Winzer die Niederschläge abwarten. Ob vor oder nach dem Regen gelesen: Die besten Weine verbinden Reife und Saftigkeit mit mineralischer Spannung, Präzision und der für die Nahe typischen Finesse und zeigen dabei sehr klar die unterschiedlichen Stile und Charaktere ihrer Herkunft.
Schäfer-Fröhlich brilliert mit einer ganzen Phalanx an Top-Weinen: Das messerscharf konturierte, feinsinnige Felseneck eröffnet den Reigen, der tiefgründige, dunkelwürzige Halenberg legt bei Druck und Tiefe nach, bevor der vom Vulkangestein mineralisch geprägte, kräuterwürzig-salzige Stromberg und der gewohnt reduktiv-flintige Felsenberg nochmals an Spannung und Finesse zulegen. Den fulminanten Schlusspunkt setzt der Versteigerungswein FINAL – eine Riesling-Ikone, die wie eine Ballerina über den Gaumen tänzelt und für mich ganz sicher zu den besten, wenn nicht zum besten Riesling des Jahres zählt.
Alle fünf gehören für mich zu den großen Rieslingen des Jahrgangs an der Nahe und der Felseneck (97+/100) und noch mehr der FINAL mit der Traumnote von 99-100/100 zu den allerbesten Deutschlands.
Beim Felseneck notierte ich: „Da ist sie wieder, diese abgrundtiefe Nase mit den zermahlenen Schiefersteinen und den Feuersteinnoten, ungemein pikant und vibrierend, dabei tief und geradezu atemberaubend. Messerscharf umrissen – ein Ritt wie auf einer Rasierklinge.“
Im Vergleich zum Halenberg wirkt das Felseneck noch präziser und ziselierter, mit fein konturiertem Schmelz und schieferwürziger Linie – wie aus einem Guss. Der Halenberg verbindet Reife, etwas mehr Fleisch am Knochen und enorme Definition mit einem langen, mineralischen Nachhall.
Das Frühlingsplätzchen (95+/100) besitzt wiederum eine geradezu faszinierende Verbindung aus reifer Steinobstfrucht, Zitrus, Saftigkeit und Pikanz und wirkt immer etwas „schwebender“. Auch der Felsenberg zeigt eine außerordentliche Territorialität.
Und dann gibt es noch FINAL, den Versteigerungswein von Schäfer-Fröhlich, der zeigt was 2025 an der Nahe möglich war. Für mich ist dieser Riesling einer der Rieslings des Jahres und verdient die selten von mir vergebene Traumnote 99-100/100 Punkte.
Auch Emrich-Schönleber bestätigt seine Ausnahmestellung. Besonders Halenberg und Frühlingsplätzchen (95/100) zeigen mit ihrer vibrierenden Präzision, feinen Substanz und großem Terroirausdruck, wie viel Tiefe und Herkunftsausdruck der Jahrgang entwickeln konnte. Frank Schönlebers Versteigerungswein gehört für mich mit 98-99/100 zu den besten Rieslingen des Jahres.
Bei Dönnhoff beeindruckt vor allem die breite Phalanx herkunftsbetonter GGs. Die Weine zeigen sich ganz im Stil des Hauses duftig und hellstrahlend, mit betörender Weißfruchtigkeit, zarten floralen Noten und einer flirrenden Ätherik. Hermannshöhle (97/100) und Dellchen (96+/100) stehen exemplarisch für diesen Stil, bei dem zudem die präzise Herausarbeitung der jeweiligen Lage im Vordergrund steht. Die Hermannshöhle zeigt sich komplex, elegant und finessenreich, mit saftiger Substanz, feiner Spannung und großer Tiefe. Das Dellchen wirkt verspielt, zart floral, elegant und saftig, zugleich präzise strukturiert und sehr lang. Der Felsenberg ist mineralisch fundiert und zeigt noch einmal eine andere Facette. Aber auch die Kreuznacher Lagen aus tieferen Böden überzeugen, etwa der Krötenpfuhl.
Cornelius Dönnhoff bestätigt den Wettlauf gegen die Zeit: „Ab der dritten Septemberwoche kündigte die Vorhersage wechselhaftes Wetter an. Daher verstärkten wir unsere Lesemannschaft – dank der Hilfe von Weingut Leitz. Das sollte sich auszahlen, denn in den folgenden Tagen arbeiteten wir buchstäblich gegen die Zeit.“