Kastanienbusch – eine große Lage, zwei eigenständige Interpretationen: Ökonomierat Rebholz und Gut Dr. Wehrheim zeigen 2025 eindrucksvoll, welches Potenzial in diesem Terroir steckt.
Pfalz 2025: Große Vielfalt zwischen Fülle, Reife und Finesse – und die Suche nach der Frische
von Giuseppe Lauria, Oktober 2026
Insgesamt zählt die Pfalz zu den wärmeren deutschen Anbaugebieten. Das zeigt sich auch im Jahrgang 2025: Viele Weine wirken reifer und substanzreicher, wobei einige Rieslinge, insbesondere aus der Mittelhaardt, eine eher moderate Säure zeigen. Angesichts des Klimawandels stellt sich damit zunehmend die Frage, wie früh gelesen werden kann, um genügend Frische zu bewahren. Umso beeindruckender sind jene Weine, die Fülle, Konzentration und Reife mit Spannung und klarer Kontur verbinden. Davon gibt es im Jahrgang 2025 erfreulich viele, besonders bei Bürklin-Wolf, Rebholz, Dr. Wehrheim, Philipp Kuhn, Rings und von Winning.
Die Pfalz gehört zu den Regionen mit einer der größten mikroklimatischen und stilistischen Vielfalt in Deutschland. Vom kühleren Süden mit höher gelegenen Lagen und der Nähe zum Pfälzerwald über die wärmere Mittelhaardt bis in den wiederum kühleren Norden rund um den Donnersberg und das Zellertal bestehen deutliche klimatische Unterschiede.
Hansjörg Rebholz erzählte mir einmal, dass die Lese im Süden durchaus bis zu zwei Wochen später beginnen kann als in der Mittelhaardt. Hinzu kommen unterschiedliche Rebsorten und Stilrichtungen – ein wesentlicher Grund, weshalb die Pfalz so spannend ist. Bemerkenswert ist dabei auch die zunehmende Rebsortenvielfalt: Neben den klassischen Sorten spielen inzwischen auch Viognier, Cabernet Franc und Syrah eine interessante Rolle. Und selbst der Sauvignon Blanc scheint längst dabei zu sein, sich in der Pfalz heimisch zu fühlen.
An der Spitze steht für mich Bürklin-Wolf. Die 2025er Kollektion, die ich mit Bettina Bürklin-von Guradze und Kellermeister Nicola Libelli verkostet habe, ist beeindruckend. Ein Wein ist schöner als der andere – und das beginnt bereits bei den Guts- und Ortsrieslingen. Nach oben gewinnt die Kollektion immer mehr an Tiefe, Spannung und Eigenständigkeit.
Besonders eindrucksvoll sind Ungeheuer, Langenmorgen, Pechstein und – last but not least – Kirchenstück. Gerade die Forster Spitzenlagen zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich Terroir interpretiert werden kann.
Der Pechstein ist der wilde, von Energie berstende, fast dramatische Wein der Kollektion: dunkel, vulkanisch, rauchig und ätherisch, mit verdichteter Mineralität und enormer Wiedererkennbarkeit.
Das Kirchenstück bildet dazu den faszinierenden Antipoden: ungemein nobel, in sich ruhend und von majestätischer Fülle und Feinheit, mit einer geradezu Haute-Couture-artigen Textur. Beide sind große Persönlichkeiten – nur auf völlig unterschiedliche Weise.
Bürklin-Wolf steht für mich an der Spitze der Pfalz 2025: Ungeheuer, Langenmorgen, Pechstein und Kirchenstück zeigen eindrucksvoll die faszinierende Vielfalt der Forster Spitzenlagen.
Auch der neue Versteigerungswein Schlossberg besitzt eine unverwechselbare Persönlichkeit. Auf seinem kargen, von imposanten Terrassen geprägten Terroir unterhalb der Wachtenburg, teilweise in Einzelpfahlerziehung und in luftiger Höhe an der Waldgrenze, entsteht ein charaktervoller Riesling mit kühler, schlanker und linearer Anmutung.
Auch Ökonomierat Rebholz gehört zu den großen Adressen des Jahrgangs. Der Kastanienbusch zeigt die für Rebholz typische Verbindung aus Mineralität, Präzision und innerer Ruhe und gehört für mich zu den besten Weinen seiner Art im vergangenen Jahrzehnt. Auch der Weissburgunder zählt zur Spitze des Jahrgangs.
Gut Dr. Wehrheim überzeugt ebenfalls mit starken Rieslingen sowie hervorragenden weißen und roten Burgundern. Die seit Jahren beeindruckend reifefähigen Wehrheim-Rieslinge gehören bereits in ihrer Jugend zur Spitze der Region. Mineralisch-dicht, mit Aromen von gelben Früchten und Apfel, zeigt sich der Köppel trotz der unterschiedlichen Böden erstaunlich verwandt mit dem Kastanienbusch. Bei den Weißburgundern gehört Wehrheim ohnehin seit Jahren zur absoluten Spitze. Gestern gefiel mir zudem der ausgesprochen elegante Chardonnay aus dem Rosenberg (1. Lage) besonders gut.
Bemerkenswert ist auch, dass das rheinhessische Weingut Battenfeld-Spanier mit dem Kreuzberg erneut einen der besten Pfälzer Rieslinge gefüllt hat – ein schönes Beispiel dafür, wie eng die stilistischen und qualitativen Grenzen zwischen den beiden Regionen im spannenden Zellertal inzwischen verlaufen.In den vergangenen Jahren haben zudem die enorm duftigen Spätburgunder zunehmend an Profil gewonnen und sich zu einer weiteren Stärke des Hauses entwickelt.
Bei Christmann überzeugten sowohl Riesling als auch Spätburgunder. Beim Riesling natürlich die Top-Lage Idig, bei den Spätburgundern das Trio aus Idig, Vogelsang und der neuen Lage Schild – ein finessenreicher, verspielter Pinot, der das Portfolio überzeugend abrundet.
Wenn man über Spätburgunder spricht, kommt man an Knipser und Friedrich Becker nicht vorbei. Knipser zeigt sich wie so oft etwas schmelziger, mit reifer Pinotfrucht, ist dabei insgesamt eleganter und feiner geworden – etwa beim Kirschgarten.
Becker präsentiert sich kraftvoller und herber. Manche Kollegen fanden die Roten etwas zu griffig; mir gefielen sie gerade wegen ihrer Stringenz. Die Weine besitzen reife Pinotfrucht und Tiefe, aber auch ein fest sitzendes Tanninkleid, das schlicht Zeit braucht. Am besten gefiel mir hier der Heydenreich.
Rings überzeugt mit einem herausragenden Saumagen. Auch seine Spätburgunder werden immer besser und gehören für mich inzwischen zur nationalen Spitze. Es ist ein eigenwilliger, aber ausgesprochen charaktervoller Pinot-Stil: etwas gerbstoffbetonter, dafür ungemein tiefgründig und erdig.
Zu den Top-Betrieben zählt auch Philipp Kuhn, der zugleich ein Meister der Vielfalt ist. Riesling sowie weiße und rote Burgunder zeigen Profilschärfe. Mit seinem Saumagen gehört auch er zur Spitze der Region.
Und auch von Winning bestätigt seine Klasse – mit seinem ganz eigenen, längst etablierten und hoch anerkannten Stil. Kaum ein anderer Betrieb beherrscht den Holzfassausbau so souverän wie das Team rund um Stephan Attmann.
Hinzu kommt ein bemerkenswert breiter Rebsortenmix: Neben den klassischen Pfälzer Sorten finden sich inzwischen auch Viognier, Cabernet Franc und Syrah, die bei einigen Betrieben bereits sehr eigenständige und überzeugende Weine hervorbringen. Philipp Kuhn vinifiziert beispielsweise einen fantastischen Viognier und Cabernet Franc, Knipser ist bekannt für seine bemerkenswerte Syrah Réserve, während Oliver Zeter alle drei Sorten anbaut und sein „La Syrah“ immer wieder für Furore sorgt. Längst kann man auch den Sauvignon Blanc als beinahe heimisch gewordene Rebsorte bezeichnen, wenn man sieht, wie souverän diese Sorte bei Von Winning und Zeter interpretiert wird.
Die Pfalz zeigt 2025 damit vielleicht am deutlichsten die unterschiedlichen Interpretationen des Jahrgangs und eine bemerkenswerte Bandbreite von kraftvoll und dicht bis kühl, linear und ausgesprochen finessenreich. Gerade diese unterschiedlichen Interpretationen machen den Jahrgang so spannend – und die besten Weine gehören zur Spitze Deutschlands. Zusammen mit dem herausragenden kulinarischen Angebot, der ureigenen Pfälzer Lebensart und dem südländischen Flair macht dies die Region so spannend und lebenswert.