Bordeaux 2025: A Miracle Vintage – Rettung in letzter Minute
Die Jahrgangsanalyse (25. April 2026)
Was sich bereits in den ersten beiden Tagen der exklusiv für Journalisten vorbehaltenen Primeur-Verkostungen in Bordeaux abzeichnete (siehe mein Post auf Instagram vom 16.April), hat sich im Verlauf der folgenden acht Tage eindrucksvoll bestätigt – bis hinauf in die Spitze der Klassifikationen.
Ein Jahrgang, der lange nur hinter vorgehaltener Hand gelobt wurde, zeigt nun im Glas, was ihn auszeichnet: In einem warmen Jahr hat Präzision über Kraft gesiegt. Aromatische Frische, fein gezeichnete Tannine und eine Balance, die eher von Zurückhaltung als von Opulenz geprägt ist, definieren den Stil der besten Weine.
Extreme Bedingungen, kleine Beeren - 2,5 kg Trauben für 1 Liter Wein
Die Vegetationsperiode war zunächst von Extremen geprägt – insbesondere durch eine rund dreimonatige Trockenphase. Die Folgen waren dramatisch niedrige Erträge und außergewöhnlich kleine Beeren.
„Einer der niedrigsten Erträge – selbst im Frostjahr 2017 hatten wir 18 hl/ha“, berichtet Pierre-Olivier Clouet, der mich am letzten Tag der Primeurs exklusiv bei Château Cheval Blanc empfängt.
„Die kleinsten Beeren ever – sie sahen aus wie Blaubeeren. Nicht einmal ein Gramm pro Beere beim Cabernet Franc“, erzählt er mit (das exklusive Video folgt in Kürze).
Die Konsequenz: enorme Konzentration im Ausgangsmaterial.
„Für einen Liter Wein brauchten wir rund 2,5 kg Trauben statt der üblichen 1,5 kg“, so Clouet weiter.
Die Wende: Tanninreife statt Blockade
Im August drohte die Situation zu kippen: „Wir hatten eine regelrechte Wand an Tanninen“, beschreibt Clouet. Entscheidend war daher Geduld.
Erst die Regenfälle Ende August und die Abkühlung in den Nächten ermöglichten es, weiter zuzuwarten, bis die Tannine physiologisch reif schmeckten. Diese Phase markiert den Wendepunkt des Jahrgangs.
Das Ergebnis sind Weine mit bemerkenswerter Balance – pH-Werte zwischen etwa 3,4 und 3,7, selbst bei den Rotweinen, und deutlich moderateren Alkoholgraden.
Früheste Lese der Geschichte
Die Lese 2025 gehört vielerorts zur frühesten überhaupt: Beginn bereits in der ersten Septemberwoche, Abschluss oft um den 20. September. Damit lag sie nicht nur deutlich vor 2024, sondern teilweise sogar vor den extrem warmen Jahren 2018, 2022 oder 2003.
An zahlreichen Gütern war die Ernte bereits abgeschlossen, während man im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt gerade erst begann.
Stilistik: Klassik statt Exotik
2025 präsentiert sich als Brücke zwischen 2020, 2022 und 2023 – mit klar klassischer Handschrift. Weniger opulent als 2022, präziser als 2020 und strukturierter als 2023.
Selbst an der Spitze zeigt sich die stilistische Ausrichtung deutlich: Château Cheval Blanc liegt bei rund 12,7 Vol.-%, ebenso wie Château Lafite Rothschild auf bemerkenswert moderatem Niveau.
Ob Cabernet Sauvignon oder Merlot letztlich die Nase vorn hat, bleibt offen – auf beiden Seiten der Gironde wurden herausragende Qualitäten erzielt.
Qualität und Einordnung
Auf Basis von rund 500 verkosteten Weinen lässt sich das Niveau bereits klar einordnen: im Schnitt ein bis zwei Punkte über 2024, in der Spitze bis zu drei Punkte – und damit auf Augenhöhe mit 2022.
Der Jahrgang erreicht möglicherweise nicht ganz die stratosphärische Dimension von 2022, was vor allem an einer geringeren Homogenität liegt. Stilistisch jedoch steht er keineswegs zurück.
Im Gegenteil: Finessentrinker und Liebhaber klassischer Bordeaux dürften diesen Jahrgang besonders schätzen – möglicherweise sogar mehr als das zweifellos große, aber deutlich exotischere 2022.
Ich habe eine Vielzahl von Weinen im Bereich von 95 bis 100 Punkten bewertet, darunter mehrere Kandidaten für die Höchstwertung von 100/100.
Ausblick: Markt, Preise und Kaufempfehlung
Eine noch ausführlichere Analyse mit sämtlichen Verkostungsnotizen folgt bis Ende des Monats – ebenso wie meine Best-of-Listen und exklusive Interviews mit führenden Persönlichkeiten von beiden Ufern. Dann werde ich auch detailliert der Frage nachgehen, ob und vor allem was man subskribieren sollte.
Eines vorweg: Ich habe rund 20 Top-Persönlichkeiten links und rechts der Gironde interviewt. Vieles deutet darauf hin, dass die Preise trotz der hohen Qualität tendenziell stabil bleiben oder sogar leicht nachgeben – mit punktuellen Ausnahmen.
So sagt etwa Ronan Laborde, Château Clinet und Ex-UGCB-Präsident: „Wir werden den Markt mit unseren Preisen überraschen.“
Bleibt zu hoffen, dass es eine positive Überraschung wird – denn nur dann kann dieser Jahrgang tatsächlich zum Turnaround für Bordeaux werden.
Das Potenzial dafür ist eindeutig vorhanden: sehr hohe Qualität, ein voraussichtlich attraktives Preisniveau und ein gleichzeitig stark limitiertes Angebot.
Gerade daraus ergibt sich eine spannende Konstellation: Die 2025er dürften bei Veröffentlichung vergleichsweise günstig erscheinen, besitzen aber angesichts der kleinen Ernte und der Qualität ein erhebliches Wertsteigerungspotenzial, sobald sie gefüllt und am Markt etabliert sind. Am 29.April startet die mit Spannung erwartete Kampagne mit Pontet-Canet. Ein Preis um die 50€ ex Cellar ist nicht unrealistisch – damit wäre der Wein ein Schnäppchen.
Breite Qualität – von oben bis unten
Ein weiterer entscheidender Punkt: 2025 liefert über alle Regionen hinweg überzeugende Ergebnisse – bei Rot-, Weiß- und Süßweinen.
Die Qualität zieht sich von den Premier Crus bis hinunter zu den Cru Bourgeois, die vielfach ein besonders attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis bieten – ebenso wie zahlreiche Weine aus den Satelliten des rechten Ufers, etwa Castillon oder Fronsac.
Innerhalb der Appellationen zeigen sich klare Stärken:
- Margaux als wohl homogenste Appellation des linken Ufers
- Saint-Émilion mit beeindruckender Frische auf den Kalkböden
- Pomerol, insbesondere in seiner Kernzone, mit herausragender Tiefe und Präzision
Fazit
2025 gehört zu den seltenen Jahrgängen, in denen sich der Markt klar zugunsten der Käufer verschiebt.
Ein Jahrgang mit Charakter, Frische und klassischer Handschrift – und gleichzeitig mit echtem Marktpotenzial.
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