Inside the cellars of Château Angélus, one of Bordeaux’s most iconic wines takes shape — the estate has also released its new price, with Angélus scoring 97–98/100 points at approximately €274.
Bordeaux 2025: Cheval Blanc und Château Lafite setzen Ausrufezeichen
Giuseppe Lauria, Mai 2026
Mit der Veröffentlichung der 2025er Château Cheval Blanc und Château Lafite Rothschild setzten kürzlich zwei der bedeutendsten Namen ein klares Signal im diesjährigen En-Primeur-Markt.
Cheval Blanc
Cheval Blanc kommt zu einem Endverbraucherpreis von rund 470 Euro (336 Euro ex-Négociant) und liegt somit zwar etwa 21 Prozent über dem sehr günstig gepreisten und schwächeren 2024er, gleichzeitig aber rund 13 Prozent unter dem starken 2023er Release.
Damit bewegt sich Cheval Blanc trotz der Preiserhöhung weiterhin auf einem im Dekaden-Vergleich attraktiven Niveau. Besonders bemerkenswert ist diese Preisstellung vor dem Hintergrund der historischen Knappheit des Jahrgangs. Mit durchschnittlich lediglich rund 15 Hektolitern pro Hektar verzeichnet das Château seine kleinste Ernte seit 1961, wie mir der neue CEO Pierre Olivier Clouet im Exklusivinterview sagte. Insgesamt werden nur etwa rund 55.000 Flaschen des Grand Vin produziert.
Im Video-Interview erkärt Clouet warum und spricht offen über die Dramatik und Besonderheiten dieses außergewöhnlichen Jahrgangs. “Die Trauben sahen aus die kleine Blaubeeren”.
Gleichzeitig zeigte sich Clouet bereits während der Primeurs-Verkostungen selbstbewusst hinsichtlich der Preisgestaltung von Cheval Blanc – eine Einschätzung, die sich nun bestätigt. Abonnenten, die schon frühzeitig Zugang zu dem Interview hatten, waren dabei klar im Vorteil. Er erklärt auch, weshalb es in 2025 keinen Petit Cheval gibt. Reinhören lohnt sich auch jetzt noch!
Ich habe Cheval Blanc mit 97-99/100 bewertet. Hier ist ein Auszug aus meiner detaillierten Verkostungsnotiz:
„2025 Cheval Blanc: 51 % Merlot, 45 % Cabernet Franc, 4 % Cabernet Sauvignon. Lese vom 01. bis zum 18. September, pH: 3.76, 12.7 Vol%. 46 Plots von 47 produzierenden Blocks sind im Grand Vin gelandet, 15 hl/ha. Die kleinsten Beeren ever, sahen wie Blaubeeren aus. Nicht mal ein Gramm pro Traube bei Cabernet Franc. Für 1 Liter Wein brauchten wir 2,5 kg Trauben statt 1,5 kg“, führt Clouet weiter aus. „Im August hatten wir eine Wand an Tanninen.“ Betörendes, ungemein puristisches und komplexes Bouquet mit roten und blauen Früchten, frisch gepflückten Heidelbeeren, Lakritze und Minze; dann folgen das enorm duftige Veilchen- und Lilac-Parfüm sowie herrlich mineralische Noten, die an Graphit erinnern. Am eleganten Gaumen eine Textur aus Samt und Seide, herrliche Extraktfülle mit delikater Tannintextur; trotz der hohen Tanninkonzentration (IPT 78) ist da alles vorhanden, was einen großen Cheval ausmacht ... ."
Château Lafite Rothschild
Château Lafite Rothschild setzt in der Primeurs-Kampagne 2025 ein wichtiges Signal: Mit einem Endverbraucherpreis von ebenfalls rund 470 Euro präsentiert sich der First Growth deutlich moderater als in vielen vergangenen Jahren – und das trotz extrem geringer Erträge und eines hochklassigen Jahrgangs.
Ich habe den Wein mit 98–99+/100 bewertet. Ein großer Lafite mit bemerkenswertem Potenzial. Die detaillierte Notiz finden Abonnenten in der Datenbank.
Die Botschaft ist klar: Qualität, Seltenheit und Prestige bleiben unangetastet, doch die Preisstrategie zeigt ein neues Gespür für Marktrealitäten und langfristige Kundenbindung.
Hinzu kommt die historisch kleine Produktion, die den Wein zusätzlich begehrenswert macht.
Lafite verbindet damit zwei entscheidende Faktoren: emotionale Strahlkraft für Sammler und eine geschickte Preispositionierung. „Einer der besten Jahrgänge zu atemberaubend tiefen Preisen in Kriegszeiten“, sagt mir Heiner Lobenberg.
Händler wie Lobenberg und Crurated berichten bislang von einer vergleichsweise erfreulichen Dynamik innerhalb der Kampagne, insgesamt sei es jedoch noch zu früh für ein abschließendes Fazit. „Sehr selektive und vorsichtige Nachfrage nach einzelnen Weinen. Wer den richtigen Preis-Qualitäts-Punkt getriggert hat wie Pontet-Canet, Laroque, Jean Faure, Larcis Ducasse, Cheval Blanc und Lafite, feiert sehr gute Verkaufserfolge“, sagt Lobenberg. „Die Masse der Châteaux wird leiden“, schränkt er allerdings ein.
Bei Crurated war Château Pontet-Canet schnell ausverkauft, und Château Cheval Blanc übertraf dort sogar die ursprüngliche Allokation. „Wir arbeiten derzeit daran, zusätzliche Mengen zu sichern“, erklärt Alfonso de Gaetano, CEO der auf Fine Wine spezialisierten Plattform für private Weinliebhaber und Sammler. Château Lafleur war vollständig ausverkauft. „Wir haben jede einzelne Flasche platziert“, sagt de Gaetano. Auch Château Lafite sei jetzt schon ausverkauft, sagte mir gerade Christian Witte, der Regional Director DACH, Nordics and Benelux von Crurated.
Heute kamen noch Angélus mit 97-98/100 (ca. 274 Euro) und Lynch Bages 95-97/100 (ca. 90 Euro). Zwei grandiose Weine, die man sich anschauen sollte. Notizen finden Sie in der Datenbank!
Die Kampagne nimmt also langsam Fahrt auf. Für belastbare Aussagen sei es zwar noch zu früh, doch dem Vernehmen nach wird insbesondere die Preisstellung bei den „Blue Chips“ im historischen Vergleich vielerorts als attraktiv wahrgenommen – ein Faktor, der der gesamten Primeurs-Kampagne zusätzlichen Rückenwind verleihen könnte. Insgesamt bleibt der Markt jedoch selektiv und abwartend. Vieles deutet derzeit auf ein ausgeprägtes „Cherry-Picking“ hin: Gefragt sind vor allem jene Weine, die Qualität, Renommee und Preisniveau überzeugend miteinander verbinden.